
Ton: Kurze, rhythmische Prosa – warm, humorvoll, bildstark
Löwenherz im Schlafanzug auf dem Küchenboden, umgeben von seinen Spielsachen. Goldenes Morgenlicht fällt durch die großen Altbaufenster. Mama im Hintergrund. Mya und Amy an ihren gewohnten Plätzen. Warmherzige, satte Farben – alles ist vertraut und sicher.
Der Einstieg etabliert Löwenherz' Zuhause als sicheren Ort. Wärme, Vertrautheit, Geborgenheit – die emotionale Grundlage, bevor das erste Herzklopfen kommt.
Der Mixer dominiert die Szene – sein Lärm ist fast sichtbar. Amy als weißer Blitz unter den Stuhl. Mya unerschütterlich. Löwenherz mit zugeklappten Ohren, sein Gesicht eine Mischung aus Überraschung und Ablehnung. Das Herzklopfen-Zeichen an seiner Brust: zart, warm, leise.
Das erste Herzklopfen-Zeichen des Bandes wird eingeführt – aber niedrigschwellig und alltäglich. Nicht Bedrohung, sondern Irritation. Amy spiegelt Löwenherz' Empfinden körpersprachlich.
Löwenherz und Papa auf Augenhöhe mit dem kleinen Plastik-Dino. Der Smoothiebecher noch in der Hand, der Blick schon bei den Zähnen. Ganz leichtes, kurzes Aufflackern des Herzklopfen-Zeichens – schwächer als auf Doppelseite 2, fast beiläufig. Warme Küchenatmosphäre.
Aus dem alltäglichen Spielmoment entsteht Neugier statt Angst. Papas ruhige Reaktion – „Ja, der sieht wirklich gruselig aus" – validiert das Gefühl und öffnet gleichzeitig einen neuen Horizont: das Museum.
Die Rutsche ist riesig – aus Kinderperspektive ein Berg. Löwenherz unten, den Blick nach oben gerichtet, voller Vorfreude und Entschlossenheit. Mama neben ihm, leicht zurücktretend. Die anderen Kinder in Bewegung und Freude. Kein Herzklopfen-Zeichen hier – noch nicht.
Der Wunsch ist klar und groß. Löwenherz will. Der Kontrast zwischen dem Wollen und dem, was oben auf ihn wartet, ist die Spannung dieser Doppelseite. Das Herzklopfen kommt erst auf der nächsten Seite.
Die Perspektive kippt: Von oben ist alles ganz klein. Löwenherz auf der Plattform, schon in Richtung Leiter gedreht. Das Herzklopfen-Zeichen klar und warm an seiner Brust. Die anderen Kinder rutschen unbekümmert. Kein Drama – nur eine ruhige, eigene Entscheidung.
Löwenherz weicht nicht panisch zurück – er entscheidet. „Heute lieber wieder runter" ist keine Niederlage, sondern Selbstkenntnis. Die Seite zeigt: Grenzen kennen ist mutig.
Die Spinne in der Mitte des Kreises – winzig, aber für Löwenherz präsent. Er steht außerhalb des Kreises, aus sicherer Distanz beobachtend. Das Herzklopfen-Zeichen in seiner dezentesten Ausprägung im ganzen Buch – passend zu Beobachtung ohne direkte Konfrontation.
Die Spinne spiegelt körpersprachlich Löwenherz' eigenes Erschrecken – auch sie flüchtet ins Versteck. Löwenherz beobachtet aus der Distanz: das ist ebenfalls eine Form von Mut.
Ein Panorama-Bild Berlins – quirlig, groß, voller Bewegung. Papa und Löwenherz als kleine, verbundene Figuren inmitten der Stadt. Am Horizont wächst das Naturkundemuseum heran. Löwenherz' Augen werden größer, je näher sie kommen.
Vorfreude und leises Kribbeln gemeinsam. Der Weg ist Teil der Geschichte – die Stadt als Raum zwischen Sicherheit und Staunen. Papa als ruhiger Anker.
Das Skelett dominiert die Doppelseite – überwältigend groß. Löwenherz davor: winzig, den Kopf weit in den Nacken gelegt. Das Herzklopfen-Zeichen leuchtet warm und groß – anders als zuvor. Papa lächelt aus dem Hintergrund. Kein Schrecken, nur Staunen.
Der zentrale Wendepunkt des Bandes. Das Herzklopfen verwandelt sich: Aus Angst wird Staunen. Löwenherz traut sich näher – und schaut. Und schaut. Und schaut.
Weites Feld, Koppel, Nachmittagslicht. Chicago: groß, warm, nah. Löwenherz: klein, aber ruhig und offen. Die Banane in der Hand. Die Nase schon da. Ein stilles, rundes Bild voller Vertrauen – kein Herzklopfen-Zeichen hier, nur Freude.
Das Museum hat etwas gelöst. Löwenherz begegnet Chicago mit Offenheit. Das erlernte Staunen vom Skelett trägt ihn jetzt. Nähe ist möglich – auch zu großen, unbekannten Wesen.
Mya und Amy als weiße Energieknäuel über die Wiese – dynamisch und überraschend. Chicago mit hochgerissenem Kopf. Löwenherz tritt einen Schritt näher, die Hand schon ausgestreckt zur Nase. Das Herzklopfen-Zeichen bleibt exklusiv bei Löwenherz. Chicagos Schreck: rein körpersprachlich.
Löwenherz erkennt das Herzklopfen in einem anderen. Er tröstet – und übernimmt damit die Perspektive der beruhigenden Figur. Sein eigenes Gefühl wird zur Brücke zu Chicago.
Das Kinderzimmer im Abendlicht – vertraut, aber mit einem unheimlichen Schatten. Der Stuhl mit Jacke in der Ecke. Löwenherz aufgerichtet im Bett, schauend. Das Herzklopfen-Zeichen an seiner Brust. Seine Hand hebt sich zum Lichtschalter. Die Seite endet genau vor dem Klick.
Der visuelle Echo zu Doppelseite 8: Löwenherz schaut. Kein Weglaufen, kein Ausweichen. Er hat etwas gelernt – und ist im Begriff, es anzuwenden. Die Spannung endet auf dieser Seite.
Das Zimmer hell und klar. Stuhl ist Stuhl, Jacke ist Jacke. Löwenherz lächelt im Bett. Mya blinzelt verschlafen. Amy hebt den Kopf – empört. Das Herzklopfen-Zeichen kaum noch sichtbar, fast verschwunden. Warmes, rundes Schlussbild.
Löwenherz hat es selbst getan. Er hat hingeschaut – und das Licht angemacht. Kein Held. Kein Drama. Nur ein kleines, tapferes „Ach so". Das ist der Kern des Bandes.
Löwenherz begegnet dem Herzklopfen – beim Mixer, auf der Rutsche, bei der Spinne, im Museum und im dunklen Zimmer. Mal weicht er aus. Mal schaut er hin. Und am Ende macht er selbst das Licht an. Denn ein mutiges Herz heißt nicht: keine Angst haben. Es heißt: trotzdem schauen.
„Guten Morgen!", sagt Mama.
Mya schnurrt.
Amy streckt sich.
Löwenherz blinzelt ins Sonnenlicht.
„Hallo, liebe Sonne."
Rrrrrrrrrrr!
Amy flitzt unter den Stuhl.
Schnurrend schaut Mya hinterher.
„Oh, laut!", ruft Löwenherz.
„Den Krach will ich nicht mehr."
Der Krach ist weg.
Der Smoothie schmeckt.
„Mmmmmh."
„Dino auch?"
Er schaut genau hin.
Die Zähne. Ganz schön spitz.
„Vor dem hab ich mal Angst."
Papa nickt.
„Ja, der Dino sieht wirklich gruselig aus.
Aber die leben schon lange nicht mehr.
Nur ihre Knochen stehen im Museum."
Löwenherz horcht auf.
„Ich will mal Dino Museum gehen?"
Im Kitagarten wird schon gespielt.
„Bis später!", sagt Mama.
„Bye bye!", tanzt Löwenherz.
Die Kinder lachen.
Die Kinder rutschen.
Heute will Löwenherz auch!
Stufe für Stufe
klettert Löwenherz hoch.
Ganz oben ist unten alles ganz klein.
„Das ist zu hoch!"
Heute lieber wieder runter.
Was schauen die anderen da?
Eine Spinne!
„Oh, nicht so nah", denkt Löwenherz.
Doch so schnell
krabbelt sie weg
zurück in ihr Versteck.
Später holt Papa Löwenherz ab.
Gemeinsam geht's durch die große Stadt.
Züge rattern. Kräne kreisen.
Löwenherz' Augen werden groß.
„Oh, sind da die Dinos?"
Löwenherz nimmt Papas Hand.
„Der ist riesig …", staunt er.
„Aber der lebt nicht mehr?"
Papa lächelt.
„Nein."
Löwenherz traut sich näher.
Ganz nah.
Er schaut.
Und schaut.
Und schaut.
„Hallo, Chicago!"
Chicago kommt näher.
Erst die Nase. Dann der Rest.
Schnupper, schnupper.
Löwenherz lacht. „Ich weiß schon."
Eine Banane!
Da kommen Mya und Amy!
Mya saust.
Amy rennt.
Direkt an Chicago vorbei.
„Huch!", sagt Löwenherz.
„Du hast dich erschreckt, Chico."
Er streichelt seine Nase.
Aus dem Bett heraus sieht Löwenherz
etwas Groooßes in der Ecke.
„Das sieht ein bisschen gruselig aus."
Sein Herz klopft.
Er schaut.
Und schaut.
Klick.
Nur ein Stuhl.
Und eine Jacke.
„Ach so", sagt Löwenherz.
Mya blinzelt.
Amy maunzt empört.
„Gute Nacht."
Angst gehört zum Großwerden.
Manchmal ist sie wie ein Mixer. Ganz laut. Manchmal wie ein Dinosaurier. Riesig groß. Und manchmal für Erwachsene gar nicht sichtbar. Versteckt in einem Schatten.
Kinder müssen ihre Angst nicht sofort überwinden. Oft reicht es, wenn sie sie eine Weile betrachten dürfen. In ihrem eigenen Tempo. Aus ihrer eigenen Distanz. Mit einem Menschen an ihrer Seite, der ihr Gefühl ernst nimmt: „Ja! Das sieht wirklich gruselig aus."
Manchmal gehen Kinder dann einen Schritt näher. Manchmal gehen sie lieber einen zurück. Beides ist gut.
Denn aus vielen kleinen Herzklopf-Momenten wachsen mit der Zeit Neugier, Vertrauen und Mut.

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